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    Auftraggeber

    Stadt Dortmund

    Bauherr

    Stadt Dortmund

    Planung

    2011

    Fertigstellung

    nicht ausgeführt

    in Arbeitsgemeinschaft mit KS Architekten BDA, Bochum und Dinnebier Licht, Wuppertal

     

    Entwurfskonzept/ Leitidee

     

    Das bestehende Bauwerk der U-Bahn-Haltestelle Hauptbahnhof Dortmund bildet nur einen kleinen Teil des gesamten unterirdischen Wegesystems. Es dient als fußläufige Verbindung zwischen der Nordstadt und der Innenstadt, als Verbindung zwischen der U-Bahn und dem Hauptbahnhof. Das Wegesystem als Ganzes ist unklar strukturiert, es erstreckt sich auf mehrere Ebenen, bildet platzartige Aufweitungen und tunnelartige Zonen (Verjüngungen und Verzweigungen). Die Orientierung zur Stadt und eine Standortbestimmung innerhalb des Systems sind nur an bestimmten Knotenpunkten möglich. Während die Fahrebene im Bestand für die Fahrgäste zu wenig Fläche bietet, hat die Verteilerebene ein Übermaß an Raum. Als Durchgangsraum bietet er keine räumliche Abwechslung, kein Erleben der eigenen Bewegung im Raum, er wirkt diffus.

     

    Die Erweiterung im Rohbau

    Die Erweiterung der Bahnsteigebene mit dem darüber liegenden Tonnengewölbe, ihren Stützen und Trägern bringt eine deutliche Struktur in das Bauwerk, die sowohl oben in der Verteilerebene als auch unten in der Fahrebene den Raum dominiert. Diese neue Struktur, die sich in ihrem Rhythmus auf die Mittelstützenreihe bezieht, bildet die Grundlage für die Gestaltung des Ausbaus.

     

    Das Entwurfskonzept: der Eingestellte Raum im Umgebenden Raum

    Das Entwurfskonzept sieht für die Verteilerebene einen neuen Raum vor, der in das bestehende Bauwerk eingestellt wird. Dieser Eingestellte Raum hat die Funktion, den gestalterisch diffusen Raum klar zu fassen und zu strukturieren, einen Anfang und ein Ende zu definieren, das Übermaß an Raum zu begrenzen, den langen Weg durch das Bauwerk scheinbar zu verkürzen und eine ansprechende Raumatmosphäre zu kreieren. Umgeben wird dieser Eingestellte Raum vom vorhandenen Raum des Bauwerkes, in dem sich alle Funktionsbereiche befinden: Abgänge zur Fahrebene, Aufzüge und die Verknüpfungen nach außen, Nordeingang, Treppenaufgang in die Bahnhofshalle, der Tunnel zur Innenstadt und der optionale Personentunnel zum Hauptbahnhof. Sichtbar wird die Unterscheidung dieser beiden Zonen durch die Differenzierung der Materialien und des Lichtes.

     

    Der Eingestellte Raum ist strahlend erleuchtet, die Oberflächen sind hell und gegliedert, sodass die Bewegung durch den Raum erlebbar wird. Die Struktur wird von neutralweiß beleuchteten Deckenfeldern zwischen den Mittelstützen gebildet, die sich sowohl in der Wandgliederung, als auch im unterschiedlich glänzenden Bodenbelag abbilden. Seitlich begrenzt wird dieser Raum durch ein Element, das räumliche Atmosphäre schafft: der hinterleuchteten Wand aus strukturierten Glasbausteinen, unterbrochen von geschlossenen Feldern aus glattem Sichtbeton. Hier wird die Struktur von Boden und Decke (Stützenstruktur) aufgegriffen. Die Glasbausteine reflektieren das einfallende Licht in unterschiedlicher Weise, sodass eine „lebendige“ Fläche entsteht, die mal transluzent, mal glitzernd wirkt. Diese Lichtwand hat mehrere Funktionen, sie fasst den Raum der Verteilerebene und macht ihn schmaler. Sie wertet den Raum durch ihr changierendes Erscheinungsbild und das atmosphärische Licht architektonisch auf. Ferner dient sie auch der Sicherheit, indem „Angsträume“ und die Sichtbeziehung von oben auf den Wartebereich des Bahnsteiges vermieden werden. Die zweischalige Lichtwand bildet einen Zwischenraum, neben der Lichtinstallation sind hier die geforderten Lagerflächen und der mögliche Kiosk nachgewiesen.

     

    Auch in der Fahrebene sind diese beiden Räume erlebbar: die Stützenzone mit den geöffneten Deckenfeldern und dem Luftraum nach oben bildet den Eingestellten Raum, der Rest des Bahnsteiges stellt den Umgebenden Raum dar. Der Eingestellte Raum stellt die Wartezone des Bahnsteiges dar. Hier sind die Materialien hell, das Licht neutralweiß strahlend. Analog zu der Lichtvoutendecke in der Verteilerebene erhalten hier die geöffneten Deckenfelder einen umlaufenden Lichtkranz, der Boden und Stützen sind hell bekleidet. Durch die geöffneten Deckenfelder hindurch werden das Tonnengewölbe und die hinterleuchtete Glasbausteinwand sichtbar. Das pulsierende gelb-goldene Licht der Lichtwand wird in das Gewölbe geworfen und dort von kleinsten Splittern im Putz reflektiert. Das atmosphärische Licht der Lichtwand wirkt als verbindendes Element zwischen Verteilerebene und Fahrebene.

     

    Der Umgebende Raum ist wie oben mit dunkleren Materialien belegt, der Boden mit geschliffenem Gussasphalt, die Wände sind dunkel geputzt. Die Bahnsteigkante erhält ein durchlaufendes Lichtband, das den Abschluss der abgehängten Decke bildet. Der gesamte Bereich der Fahrtrasse der U-Bahnen wird dunkel gestrichen.

     

    Der Nordeingang

    Der Nordeingang wird auf der gesamten Breite komplett geöffnet und verglast, zwei große automatische Schiebetüren bilden den Eingang. Dahinter führt eine große Rampe, die die gesamte Breite des Bauwerks einnimmt, ins Innere.

     

    Schallschutz

    Die gesamte Lichtvoutendecke in der Verteilerebene wird raumakustisch aktiviert. Die reine Form der Lichtvouten wirkt schon positiv auf die Raumakustik, zusätzlich werden die vertikalen Rückseiten der Lichtvouten mit schallschluckenden Materialien ausgekleidet.

     

    Brandschutz

    Die Verteilerebene ist durch die Glasbausteinwand von der Fahrebene entkoppelt, die Nord- und Südtreppenabgänge und die Aufzüge sind raumhoch verglast, lediglich die beiden Mitteltreppen erhalten Rauchschürzen, ebenso alle Treppenantritte in der Fahrebene.

     

    Erweiterungsmöglichkeit

    Der Anschluss des Personentunnels an der Westseite der Verteilerebene zum Bahnhof kann problemlos integriert werden, der Entwurf würde hierdurch nicht beeinträchtigt werden. Die Erweiterung der Fahrebene würde den Entwurf logisch ergänzen. Der Eingestellte Raum, der mit der Verdoppelung der Bahnsteigerweiterung komplett umgeben werden würde, würde seine Eigenart als Raum im Raum noch deutlicher zur Geltung bringen können.

     

    Umgang mit der Krümmung

    Die Strukturierung des Ausbaus folgt der Krümmung des Bauwerkes. Die gewählten Materialien (Estrich/ Gussasphalt) lassen sich durch ihre Homogenität problemlos in der Krümmung verlegen.

     

    Lichtkonzept

    Das Lichtkonzept folgt im Wesentlichen dem Raumkonzept. Die beiden Bereiche, der helle Eingestellte Raum und der ihn Umgebende Raum werden gemäß ihrer Funktion und Gestaltung differenziert beleuchtet. Der helle Raum wird in seiner Länge durch die hellen Deckenfelder und hinterleuchteten Wandfelder strukturiert. Die hellen Materialien in der Verteilerebene und das gleichmäßige Licht der Lichtvouten in den hochgestellten Deckenfeldern erzeugen einen freundlichen Durchgangsbereich. Die gläsernen Wandflächen leuchten in warmweißen bis goldgelben Farbtönen,  langsam pulsierendes Licht lässt den Raum lebendig wirken. Der Umgebende Raum wird durch akzentuiertes Licht aus HIT Strahlern beleuchtet. Das eher warme Licht der Strahler führt den Fahrgast zu den Zugängen der U-Bahn und hinab zu den Bahnsteigen. Die Treppen und Aufzüge werden so beim Betreten des Durchgangs deutlich sichtbar und helfen den Passanten und Fahrgästen bei der Orientierung.

     

    In der Fahrebene wird das Lichtkonzept weitergeführt. Die hinten liegenden Wartebereiche, werden analog zu der im Erdgeschoss liegenden Gangzone beleuchtet. In die Rahmenstruktur der nach oben offenen Deckenfelder sind Lichtrahmen eingebaut, die sowohl den Bahnsteig beleuchten, als auch die Raumhöhe und die Raumstrukturen erlebbar machen. Die Lichtwand im EG ist von unten im Deckenraum sichtbar, das pulsierende atmosphärische Licht, das sich in den reflektierenden Partikeln  der Außenwände des Umgebenden Raumes spiegelt, ist auch von unten erlebbar. Der vordere Bereich des Bahnsteiges wird mit einem langen durchlaufenden Lichtband beleuchtet, das die Länge und die Geometrie des Gebäudes ablesbar macht. Der Wechsel der Materialien und der Lichtfarbe zoniert den Bahnsteig in eine hellere Wartezone und einen dynamischen Bahnsteig.

     

    Der Nordeingang ist so klar und reduziert gestaltet wie der Innenraum. Die Öffnung in der Wand leuchtet von innen heraus, sodass das helle Innere schon von weitem sichtbar ist. Die Glasbausteine über dem Eingang leuchten in den gleichen Farben wie die Innenwände. Leichtes pulsierendes Licht symbolisiert die Dynamik des Bahnhofes mit den oberhalb fahrenden Zügen des Fernverkehrs und der unterirdisch fahrenden U-Bahnen des Nahverkehrs.

    Neugestaltung der U-Bahnhaltestelle Dortmund Hauptbahnhof

    U-Bahnhaltestelle Hbf, Dortmund